Nachdem wir in den vergangenen Wochen bereits eine Vielzahl von Institutionen und Gruppen unserer Fanszene informiert haben, machen wir hiermit heute öffentlich, dass wir uns als Gruppe Ultrà Sankt Pauli aktuell in einem umfangreichen strukturellen Aufarbeitungsprozess befinden. Hintergrund ist die Tatsache, dass wir in der abgelaufenen Sommerpause erfahren haben, dass Mitglieder unserer Gruppe übergriffig geworden sind. Dabei geht es um unterschiedlich gelagerte Fälle sexualisierter, physischer und psychischer Gewalt sowie um Machtmissbrauch.
Jede einzelne dieser Taten verurteilen wir auf das Schärfste. Sie sind widerwärtig, verachtenswert, machen uns fassungslos und unendlich wütend. Es gibt keinerlei Rechtfertigung für ein solches Verhalten. Deshalb haben wir sämtliche Täter, deren Fälle abschließend bearbeitet wurden, mit einem lebenslangen Gruppenausschluss und weiteren Konsequenzen belegt.
Mit dem heutigen Statement übernehmen wir die Verantwortung dafür, dass Mitglieder unserer Gruppe diese Taten begangen haben. Denn obwohl wir diese Personen teils über viele Jahre hinweg gekannt und mit ihnen unzählige gemeinsame Stunden verbracht haben, konnten wir nicht verhindern, dass sie zu Tätern werden. Mit Verantwortungsübernahme meinen wir dabei nicht, dass wir alle Schuld tragen an den einzelnen Taten – diese Verantwortung liegt bei den Tätern. Wir haben weder weggeschaut noch vertuscht, sondern mit Bekanntwerden der Taten gehandelt. Verantwortung übernehmen wir aber für die lückenlose Aufarbeitung der Taten. Dazu stoßen wir eine Analyse der strukturellen Bedingungen an, um Möglichkeitsräume für die Zukunft möglichst zu schließen und eine bessere Prägung und Präventivarbeit zu gewährleisten. Unsere Aufgabe ist es, für ein hohes Sicherheitsgefühl in unserer Kurve und unserer Struktur zu sorgen und dieser Aufgabe widmen wir gerade unsere gesamte Aufmerksamkeit.
Uns ist bewusst, dass wir als Ultràgruppe in einem Umfeld agieren, das strukturell auf der einen Seite übergriffiges Verhalten begünstigt und auf der anderen Seite dessen Aufarbeitung sowie Aufklärung erschwert. Leistungsgedanke und Loyalität, aber auch Machtunterschiede und ein kritikwürdiges Männlichkeitsverständnis spielen in dieser Subkultur eine zentrale Rolle – auch in einer progressiven und linken Ultràgruppe wie unserer. Gerade deshalb muss es effektive und zielgerichtete Strukturen geben, um im Rahmen der Möglichkeiten einer subkulturellen Gruppe präventiv Fehlverhalten zu verhindern, aufzuklären und gleichzeitig Handlungsmöglichkeiten für Täter zu minimieren.
Die intensive Analyse der Fälle hat gezeigt, dass wir hier strukturelle Defizite und blinde Flecken haben, wodurch Schaden verursacht und Vertrauen verletzt wurde.
Aus diesem Grund haben wir uns in der Sommerpause entschieden, die Geschehnisse in einem umfangreichen Prozess aufzuarbeiten. Dieser verfolgt folgende Ziele: all jene Strukturen zu identifizieren, die Taten begünstigt haben könnten sowie ihre Aufarbeitung erschwert haben, Maßnahmen abzuleiten, die die Räume für solche Taten so eng wie möglich machen sowie durch Prägung, Sensibilisierung und Präventivarbeit das Themenfeld Awareness in all seinen Facetten breiter in unseren Strukturen zu verankern.
Dabei haben wir immer die teils ernüchternde Gewissheit, dass große soziale Zusammenhänge, ganz gleich wie progressiv sie sein mögen, immer auch Ort von Fehlverhalten werden können. Zusätzlich richten wir im Zuge des Prozesses unsere Awareness-Arbeit neu aus, um Hemmschwellen für Betroffene zu minimieren, eine effektivere Ansprechbarkeit zu gewährleisten und weiter für unsere Strukturen zu sensibilisieren.
Diesem Prozess gilt seit vielen Wochen und bis auf weiteres unsere volle Aufmerksamkeit. Als führende Gruppe der Südkurve St. Pauli spüren wir die große Verantwortung, diesen Aufarbeitungsprozess intensiv und gewissenhaft anzugehen sowie aus Fehlern und Schwachstellen der Vergangenheit zu lernen.
Wir haben uns entschieden, viele Alltagsaktivitäten merklich herunterzufahren, um diesen Themen gerecht zu werden; aber auch, bei Pflichtspielen des FC St. Pauli weiterhin organisiert aufzutreten und unsere Mannschaft optisch und akustisch zu unterstützen. Diese Entscheidungen waren das Ergebnis ausführlicher und teils kontroverser Diskussionen. Wir haben sie getroffen, um der Verantwortung gerecht zu werden, die einflussreichste und größte Gruppe der aktiven Fanszene des FC St. Pauli zu sein. Ein Auftritt im Stadion bedeutet für uns auch eine Verantwortungsübernahme: Wir möchten uns nicht verstecken, sondern präsent, ansprechbar und weiterhin sichtbar für unsere Überzeugungen eintreten. Gleichzeitig wollen wir aber auch nach außen zugänglich für Nachfragen, Anregungen und Kritik sein.
Der Prozess, in dem wir uns befinden, ist äußerst kräftezehrend. Seit Bekanntwerden der Fälle sitzen wir nahezu jeden Tag der Woche in unterschiedlichen Zusammensetzungen beisammen, um den hohen Ansprüchen von uns selbst sowie unserem Umfeld und der Fanszene gerecht werden zu können. Der aktive Support im Stadion ist für die Leute in unserer Fanszene auch die Möglichkeit, verloren gegangene Energie aufzutanken und neue Kraft für den anhaltenden Prozess zu finden.
Wir sind uns im Klaren darüber, dass die heutige Veröffentlichung sowohl von gegnerischen Fanszenen als auch medial aufgegriffen werden wird. Sicherlich bringt das neue Herausforderungen mit sich und wird weitere Ressourcen binden – und sicherlich werden weitere würdelose Tapeten kommen, die nichts weniger sind als ein Schlag ins Gesicht aller Betroffenen von Übergriffen.
Wir veröffentlichen diesen Text nicht, weil wir der Öffentlichkeit Rechenschaft schuldig sind, sondern weil wir uns vor der Übernahme von Verantwortung nicht verstecken wollen.
Auch hoffen wir, mit diesem Statement nicht nur Verantwortung zu übernehmen und Transparenz zu schaffen, sondern zusätzlich Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken, das viel zu oft tabuisiert und verschwiegen wird: Sexualisierte Gewalt und grenzüberschreitendes Verhalten machen keinen Halt vor den Stadiontoren und den aktiven Fanszenen dieses Landes. Sie finden auch und gerade hier flächendeckend statt.
Für uns ist dieser Umstand jedoch keine Ausrede dafür, nicht zu handeln. Im Gegenteil nimmt er uns in die Pflicht, uns der Arbeit an diesen Themen weiterhin zu stellen.
ULTRÀ SANKT PAULI, 28.AUGUST 2026
Jahrelang wurde von Transparenz, Dialog und einer gemeinsamen Reform der Regionalligen gesprochen. Vereine investierten Zeit, Energie und Vertrauen in einen eigens initiierten Prozess, der endlich zu einer fairen und tragfähigen Lösung führen sollte. In dieser Form in seiner Ausgestaltung und Professionalität beispiellos im europäischen Fußball.
Nun – kurz vor der finalen Abstimmung der Vereine – zeigt sich, was die Verlautbarungen der Regionalverbände tatsächlich wert sind. Sie gipfeln in einer Situation, die uns als Fans der betroffenen, aber auch der aktuell und perspektivisch nicht betroffenen Vereine noch wütender macht. Nicht nur kritischen Fans wird jetzt endgültig klar, dass die Verbände *nicht* im Sinne ihrer Mitgliedsvereine agieren, sondern ganz eigene Ziele verfolgen. Was FIFA und Co. auf der großen Bühne vormachen, spielen die Regionalverbände nach.
Der erste Kritikpunkt: Aus dem gemeinsam erarbeiteten Kompassmodell mit vier 20er-Staffeln sollen plötzlich 18er-Staffeln werden. Dabei waren die zusätzlichen Heimspiele einer der größten sportlichen und wirtschaftlichen Vorteile des Modells. Wer diesen zentralen Baustein wenige Tage vor der Abstimmung streicht, entwertet nicht nur monatelange Arbeit – sondern nimmt den Vereinen einen entscheidenden Mehrwert, den sie längst in ihre Überlegungen einbezogen hatten.
Der zweite Kritikpunkt: Eine bundesweite Mehrheit der Vereine – basierend auf monatelangem Austausch und Bewerten von Argumenten – soll nun nicht mehr ausreichen. Stattdessen soll jede der fünf Regionen eine eigene interne Mehrheit erreichen, um Zustimmung geben zu können. Aus einem demokratischen Mehrheitsprinzip einer bundesweiten Thematik wird damit faktisch ein Vetorecht einzelner Verbände. Wer Mehrheiten aushebelt, stärkt keine Demokratie – sondern zementiert bestehende, ungerechtfertigte und ebenso reformbedürftige Machtverhältnisse.
Noch schwerer wiegt jedoch die Art und Weise. Ausgerechnet in dem Moment, in dem sich Vereine bundesweit zusammengeschlossen, vernetzt und erstmals mit einer gemeinsamen Stimme für eine Reform eingesetzt haben, werden kurz vor der Abstimmung die Spielregeln verändert. Das wirkt nicht wie der Versuch, einen besseren Kompromiss zu finden. Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass genau diese Geschlossenheit unterlaufen werden soll. Wer monatelang Beteiligung einfordert, um anschließend im entscheidenden Moment hinter den Kulissen die Grundlagen zu verändern, verspielt jedes Vertrauen in einen fairen Prozess.
Der Widerstand ist die logische Konsequenz. Nicht nur von den unmittelbar betroffenen Fans, sondern von allen, denen an einem glaubwürdigen und basisorientierten Fußball gelegen ist. Wer heute schweigt und diesen miesen Schachzug akzeptiert, der billigt gleichzeitig, dass Verbände ihre eigenen Machtinteressen über die Interessen der Vereine stellen. Diese Form der Verbandsarbeit hat den Fußball lange genug ausgebremst. Es ist Zeit, ihr entschlossen entgegenzutreten und deutlich zu machen: Reformen müssen von den Vereinen getragen werden – nicht gegen sie.
Wir rufen die Vereinsvertreter dazu auf, mit Geschlossenheit und breiter Brust aufzutreten und die anstehende Abstimmung unter diesen Umständen nicht durchzuführen.
Die Verbände dürfen sich sicher sein, dass es keinen Weg mehr an einer grundhaften Veränderung ihrer Ausrichtung und Politik vorbei gibt. Wir werden nicht locker lassen – ihr habt es nicht anders verdient.
Fanszenen Deutschlands im Juni 2026
Am 17. Juni findet die Innenministerkonferenz (IMK) in Hamburg statt und damit einher drohen weitere Verschärfungen und repressive Maßnahmen, die die Rechte von Fußballfans massiv beschneiden. Obwohl offizielle Zahlen belegen, dass die Stadien sicher sind, knicken Verbände wie der DFB vor dem politischen Druck ein und hebeln die demokratische Basis unserer Vereine aus. Diese Maßnahmen wie verschärfte Stadionverbote, personalisierte Tickets und Geisterspiele kriminalisieren die bunte Fankultur und zerstören das einzigartige Erlebnis in deutschen Stadien.
Ob als Fanclub, Institution oder Einzelperson unterzeichnet jetzt diesen offenen Brief und setzt gemeinsam mit uns ein klares Zeichen für eine lebendige Fankultur!

Moin Sankt Pauli Fans,
seit mehr als 65 Tagen ist die iranische Bevölkerung vom Internet abgeschnitten, so lange war im 21. Jahrhundert noch nie eine Gesellschaft vom Internet getrennt. Damit versucht die Islamische Republik die Stimme der Iraner*innen zum Schweigen zu bringen, denn trotz Krieg werden im Iran grade viele politische Gefangene – meist viele junge Menschen – nach Zwangsgeständnissen verurteilt und hingerichtet.
Die Islamische Republik versucht mit dem Abschneiden des Internets, das Massaker zu verstecken, welches am 8. und 9. Januar im Iran stattfand. An diesen beiden Tagen wurden schätzungsweise 40.000 Menschen ermordet, die für ein besseres Leben demonstrierten. Mit dem Abschalten des Internets wurde den Iraner*innen ihre einzige Waffe genommen: Ihre Stimme.
Wir als USP wollen die Organisationen Hawar und Hengaw unterstützen, die trotz erschwertem Zugang zu Informationen auf die Menschenrechtslage im Iran aufmerksam machen, Menschenrechtsverletzungen dokumentieren und bekannt machen und somit den Menschen im Iran, die sich gegen das Mullah-Regime einsetzen, eine Stimme verleihen.
Um die Arbeit der beiden Organisationen finanziell zu unterstützen werden wir rund um das Heimspiel gegen Wolfsburg in der Südkurve, der Gegengerade sowie der Nord- und Haupttribüne Spenden sammeln. Alle Einnahmen werden jeweils zur Hälfte an die beiden Organisationen gespendet.
SANKT PAULI HÄLT ZUSAMMEN!
JIN JIYAN AZADI!
Etwas mehr als einen Monat ist es noch hin, bis die nächste Innenministerkonferenz in Hamburg tagt – und wir müssen noch immer davon berichten, dass die nach der letzten IMK versprochene Transparenz Fehlanzeige bleibt.
Was genau auf der Agenda stehen wird, ist entsprechend nicht klar – die Erfahrungen der letzten IMK, die Drohungen der Politik gegenüber Vereinen und Verbänden, unterwürfige Verbände sowie die besorgniserregende Zunahme von Polizeigewalt und rechtswidrigen Maßnahmen gegen Fußballfans lassen uns allerdings wenig hoffnungsfroh sein.
Während manche Innenminister und die Polizei daran zu arbeiten scheinen, Fanszenen zu spalten und eine Unterscheidung von „guten“ und „schlechten“ Fans zu konstruieren, möchten wir also diese heiße Phase der Saison nutzen, um erneut deutlich zu machen: Wir lassen uns nicht spalten!
Seit dem letzten Jahr drücken gewisse Politiker den Vereinen und Verbänden die Pistole auf die Brust und drohen mit harten Mitteln, sollten sie ihren Forderungen nicht nachkommen. Dabei ist unter anderem die Rede von Lizenzentzügen, von Übertragung der Polizeikosten auf die Vereine sowie von personalisierten Tickets. Maßnahmen also, die die Vereine in die Knie zwingen und finanziell bedrohen können. Stellt euch vor, eurem Lieblingsverein wird die Lizenz für den Spielort des Stadions entzogen – oder zumindest für den Gästeblock! Wie sehr das Fehlen von Gästefans das Stadionerlebnis beeinträchtigen kann, ist bereits in vielen Ländern zu beobachten. Zustände, die wir uns nicht herbeiwünschen – gerade, wenn wir selbst als Auswärtsfahrer betroffen wären.
An dieser Stelle müssen auch die Verbände explizit angesprochen werden: DFB und DFL sonnen sich in schönen Bildern und vollen Stadien, die die Fanszenen ihnen Jahr für Jahr von Bundesliga bis in die unteren Ligen servieren. Dass für die Fans, für das besondere Stadionerlebnis in Deutschland und gegen willkürliche Maßnahmen ihre starke Stimmen erhoben werden, ist von den Verbänden erwartungsgemäß nicht zu vernehmen. Stattdessen wird eifrig den populistischen Forderungen gefolgt und an einer völlig undurchsichtigen zentralen SV-Kommission gearbeitet.
Die DFL sowie der DFB scheinen sich von diesen Drohgebärden einschüchtern zu lassen und vor dem Populismus der Politik einzuknicken. Sie scheinen bereit, unnötig repressive Maßnahmen wie die Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien durchzuwinken, um „schlimmere Übel“ abzuwenden. Die Verschärfungen eben dieser Richtlinien gehen also auch klar auf das Konto der Verbände, die weder ihren Vereinen Rückhalt bieten noch den wirtschaftlichen Faktor von aktiver sowie lebendiger Fankultur berücksichtigen zu wollen. Und das alles wegen einer hochstilisierten Gefahrenlage in deutschen Fußballstadien.
Es erschließt sich uns zudem auch sechs Monate nach der letzten IMK nicht, weshalb diejenigen Politiker, die sich mit der inneren Sicherheit Deutschlands beschäftigen sollen, überhaupt über den Fußball sprechen. Die herbeifantasierten Schreckgespenster gefährlicher Stadien wurden doch bereits im Vorfeld der letzten IMK entzaubert! Weshalb also wollen gewisse Innenminister das bunte und lebendige Stadionerlebnis durch repressive, rechtlich fragwürdige Maßnahmen aufs Spiel setzen?
Weshalb wollen sie das Risiko in Kauf nehmen, Vereine finanziell zu ruinieren und Fankultur zu beerdigen?
Die realitätsfremden Wahrnehmungen von Politikern, die selten bis nie einen Fuß in unsere Stadien gesetzt haben, können nicht unwidersprochen bleiben. Wir Fans wissen, wie die Realität aussieht: der Fußball ist nach wie vor sicher und gleichzeitig braucht das Stadionerlebnis die lebendige Fankultur!
Die Zahlen der tatsächlich gefährlichen Vorfälle in Stadien sind so verschwindend gering, dass sie dieses Maßnahmenpaket niemals rechtfertigen können.
Lasst uns ihnen gemeinsam zeigen, was wir davon halten – wir lassen uns nicht spalten!
Fanszenen Deutschlands – Mai 2026
In der Länderspielpause kamen am 28. März 2026, Vertreter von über 50 Fanszenen aus dem gesamten Bundesgebiet in Berlin zusammen, um sich unter anderem über den Eskalationskurs der Innenministerkonferenz und der Sportministerkonferenz zu beraten. Auch Fanszenen, die aufgrund des Spielbetriebs unterhalb der dritten Liga nicht dabei waren, stehen inhaltlich hinter dieser Stellungnahme.
Die letzte IMK im Dezember 2025 hat durch ihren Populismus und ihre Repressionsideen für deutsche Stadien für Aufruhr gesorgt – ihr erinnert euch! Die nächste IMK ist bereits für Juni 2026 angesetzt. Eine gute Gelegenheit also, auf den aktuellen Stand zu blicken, denn: Die aktuelle Entwicklung in deutschen Stadien ist alarmierend! Immer öfter werden Stadionbesucher zu Opfern unverhältnismäßiger Polizeigewalt.
Dies zeigt sich eindeutig seit einigen Jahren und ganz speziell eindrücklich seit Beginn des Jahres 2026. Bei den Spielen Borussia Dortmund gegen FC Bayern München, Hertha BSC gegen FC Schalke 04 und Vfl Wolfsburg gegen Werder Bremen kam es zu zahlreichen zum Teil schwer verletzten Fans. Deutlich wird dies aber auch durch diverse Fanszenen, die mit fadenscheinigen Begründungen auf der Anreise zu ihren Auswärtsspielen zurückgeschickt und hiermit massiv in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt wurden. Aktuell vergeht kaum ein Wochenende ohne einen solchen Skandal. Den Tiefpunkt dieser Entwicklung stellt die hundertfach verhinderte Ausreise von Anhängern von Borussia Dortmund zum Champions League-Spiel bei Atalanta Bergamo durch die Bundespolizei dar. Die zugunsten der Fans entschiedenen Eilverfahren zeigen wiederholt sehr deutlich, dass die Polizei sich im Umgang mit Fußballfans nicht an Recht und Gesetz gebunden sieht!
Böse Zungen behaupten, dass diese jüngste Gewalteskalation seitens der Polizei kein Zufall sein kann. Auch wir sehen sie als systematischen Teil einer arglistigen Strategie der Hardliner aus Innen- und Polizeibehörden mit Blick auf die kommende IMK sowie im Zuge der derzeit stattfindenden Geheimverhandlungen zur Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien. Das Kalkül dahinter scheint so perfide wie offensichtlich: Möglichst schockierende Bilder und Schlagzeilen sollen das politik- und polizeieigene Narrativ, die Stadien seien nicht sicher, Woche für Woche unterfüttern. In dem Wissen, dass die seit Jahren rückläufigen polizeieigenen Zahlen keinerlei Verschärfung rechtfertigen (woran die IMK im letzten Jahr immer wieder erinnert werden musste), werden die eigenen ohnehin fragwürdigen Statistiken der ZIS nun künstlich in die Höhe getrieben.
Das Ziel der Protagonisten in den Innenbehörden scheint klar: Die Verbände DFB und DFL sollen in den Verhandlungen unter maximalen Druck gesetzt werden, zuletzt geschehen mit der erstmals öffentlich geäußerten Drohung der Weitergabe der Polizeikosten durch Herbert Reul und Armin Schuster, wenn die Forderungen der Politik nicht erfüllt werden. Dass aufgrund dieser rücksichtslosen Strategie eine Vielzahl von Fußballfans fernab jeder Verhältnismäßigkeit und Rechtsstaatlichkeit mutwillig und zum Teil schwer verletzt wird, nehmen Polizei und Politik billigend in Kauf. Der Dachverband der Fanhilfen hat in seiner Stellungnahme vom 18. März 2026 die deutliche Zunahme gewalttätiger Polizeieinsätze in der laufenden Saison 2025/2026 dokumentiert. Die Anzahl gewalttätiger Eskalationen durch die Polizei überstieg schon im März die Gesamtzahl vorangegangener Spielzeiten.
Doch auch abseits dieser beobachtbaren polizeilichen Eskalation muss davon ausgegangen werden, dass die Politik den Verbänden druckvoll im Nacken sitzt. Das wird sichtbar, da DFL, DFB und Innenpolitik trotz vollmundiger Transparenzversprechen in der Öffentlichkeit nunmehr seit weiteren vier Monaten in Hinterzimmergesprächen an Verschärfungen der Stadionverbots-Richtlinien schrauben und dabei jegliche Faninteressen und Expertenmeinungen unberücksichtigt lassen.
Im Halbzeitfazit müssen wir daher leider feststellen, dass Politik, Polizei und scheinbar auch die Verbände aus dem letzten Jahr nichts gelernt haben und denken, sie können die gleiche Suppe nochmal kochen – und das noch schärfer gewürzt! Scheinbar müssen wir also wieder laut werden, um für Gerechtigkeit einzutreten, ihren Populismus zu entlarven und ihre perfiden Strategien zu kritisieren!
Daher fordern wir:
1) Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien stoppen!
Unter dem Deckmantel einer einheitlichen Vergabe von Stadionverboten soll eine „Fachaufsicht“ bzw. „Zentrale Stadionverbotskommission“ eingeführt werden, welche den lokalen Strukturen gegenüber weisungsbefugt ist. Diese Fachaufsicht soll auch als Beschwerdestelle für die Polizei fungieren, sollte diese mit den Entscheidungen auf lokaler Ebene unzufrieden sein.
Damit gibt man den Polizeibehörden ein weiteres mächtiges Repressionswerkzeug an die Hand – jenen Polizeibehörden, die nicht davor zurückschrecken, Fußballfans schwer zu verletzen, nur um die eigene Agenda durchzudrücken. Wir sagen: Der Repressionswahnsinn gepaart mit der starken Zunahme willkürlicher und gewalttätiger Polizeieinsätze in deutschen Stadien zeigt, dass die Stadionverbots-Richtlinien nicht verschärft werden dürfen, denn die bewusste Eskalationsstrategie der Innenministerkonferenz darf nicht belohnt werden!
2) Verbände: Transparenz und Faninteressen jetzt!
DFB und DFL dürfen ihre Entscheidungen nicht länger im Geheimen treffen. Wir fordern endlich eine offene und transparente Diskussion unter Wahrung der bestehenden Faninteressen. Ein Stopp der derzeitigen Geheimverhandlungen und eine Neuaufnahme eines Dialogs, welcher seinen Namen auch wirklich verdient, führt nicht nur zu mehr Akzeptanz, sondern bietet den Funktionären von DFB und DFL auch eine Chance, sich diesem massiven Druck seitens der Innenministerien zu widersetzen. Wir erwarten, dass DFB und DFL von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.
3) Unabhängige Ermittlungsstellen!
Vereine und Verbände müssen den Aufbau unabhängiger Ermittlungsstellen nach dänischem Vorbild für die Aufklärung von übermäßiger Polizeigewalt öffentlich unterstützen – zum Schutz hunderttausender Fans, die Woche für Woche deutsche Fußballstadien besuchen. Die bundesweite Eskalationsstrategie der Polizei hat beispielsweise im Olympiastadion und im Westfalenstadion bewiesen: Polizeigewalt kann jeden Stadiongänger treffen.
4) Innenpolitik: Sachargumente statt Populismus!
Abgesehen von eskalierenden Polizeieinheiten ist der Fußball sicher. Es ist Zeit, sich endlich damit abzufinden! Es gibt keine Datengrundlage für den Kurs der Innenministerien, weshalb die Polizei nun bundesweit angehalten scheint, die Verletztenzahlen der ZIS-Statistik – aus Sicht der Innenminister „endlich“ – wieder nach oben zu treiben. Jeglicher Realität entbehrende Zerrbilder, etwa dass jedes Wochenende Spiele wegen Pyrotechnik unterbrochen und Menschen hierdurch verletzt würden, haben einer Versachlichung der Debatte zu weichen. Wir sind es leid, für populistische Forderungen herzuhalten, das Testobjekt für neue Repressionsmaßnahmen zu sein und uns unsere Fankultur und ihre Stilmittel von Innenministern und Polizeigewerkschaftern „erklären“ zu lassen.
Fanszenen Deutschlands – April 2026
Moin St. Pauli-Fans,
die letzten Wochen waren sportlich ein Auf und Ab. Trotz kleiner Rückschläge können wir jedoch auf sechs ungeschlagene Heimspiele zurückblicken, in denen es uns als Fanszene immer wieder gelang, entscheidende Akzente zu setzen. Jetzt steuern wir auf das letzte Viertel der Saison zu. Uns Allen ist bewusst wie schwer die aktuelle Phase ist und auch abermals frustrierend sein kann. Sowohl für unsere Mannschaft auf den Rasen, als auch für uns Fans auf dem Rängen. Unsere Fanszene hat jedoch über Jahrzehnte ausgezeichnet, dass wir nicht bei der erstbesten Gelegenheit die Segel streichen – das überlassen wir anderen Vereinen!
Also St. Pauli Fans, rafft euch nochmal auf, reißt euch gegenseitig mit, zieht euch zusammen wieder hoch! Gemeinsam als vereinte Kurve und Fanszene auf den Rängen mit einer Mannschaft auf dem Rasen, die das Feuer des Herzen von Hamburg spürt und alles reinhaut was geht, ist noch alles möglich!
Für den entscheidenden Push werden wir unsere Mannschaft am Sonntag ins Stadion geleiten.
15:30 – Busempfang entlang der Budapester Str. und der Auffahrt Heiligengeistfeld.
Es liegt an uns allen!
Klassenkampf jetzt!
