Archiv des Kommuniqué- Bereichs

1. Dezember 2013 20:21

Stellungnahme zum Einsatz von Pyrotechnik

Geschrieben von basch in Kommuniqué

Sowohl mit dieser und kommenden Publikationen, als auch mit der Choreographie beim Spiel gegen Köln möchten wir eine sachlichere und anders gelagerte Diskussion über Pyrotechnik beginnen – kurzfristig innerhalb der eigenen Fanszene und hoffentlich mittelfristig auch darüber hinaus. Wir empfinden die Wahrnehmung dieses Stilmittels in Deutschland als nicht passend und wollen uns damit beschäftigen, warum dem so ist und wo wir Lösungen sehen.

Anfang bis Mitte der 90er Jahre, als viele von uns begannen, diesen Club zu lieben, brannten in der Gegengerade und auch Nordkurve bei jedem Abendspiel Bengalos – an unterschiedlichen Stellen, völlig unorganisiert und recht chaotisch. Genauso wie am Betzenberg, dem Dortmunder Westfalenstadion und vielen weiteren Stadien. Fans, Reporter und Funktionäre lobten die südländische Atmosphäre. Auf offiziellem Merchandise wurde mit Bengalofotos geworben, TV Sender und Zeitschriften wie Kicker oder Sport Bild garnierten Ihre Geschichten mit leuchtendem Rot – die Fackeln waren weitgehend als Teil der Fankultur akzeptiert.

Mit dem Aufkeimen der Ultràbewegung veränderte sich zunehmend Wahrnehmung und Darstellung von Pyrotechnik. Es wurde aufgrund des Verfolgungsdrucks oftmals leicht zu schmuggelndes Rauchpulver eingesetzt bzw. andere Pyrotechnik einfach auf den Boden geworfen, um unentdeckt zu bleiben. Manchmal wurden Bengalos geworfen oder kullerten auf dem Boden herum und entzündeten so Fanmaterialien, bei anderen Spielen flogen Böller, manchmal geschah auch alles gleichzeitig. Zunehmend veränderte sich auch die Beurteilung der Medien, Funktionäre und Fans zu diesem Thema. Schnell wurde von “Ausschreitungen” und “Randale” gesprochen, es war die Rede von “Chaoten” und dramatischen „Bildern, die wir nicht sehen wollen“. Ultras entwickelten sich in dieser Zeit zum Feindbild Nummer eins der Fußballfunktionäre und auch der Polizei, die nahezu ihre gesamte aufgeblähte Struktur nach dem Abebben der Hooligan-Kultur auf die jugendlichen Fans in den Fankurven ausrichtete. Obgleich es sich um ein völlig anderes Phänomen als den klassischen Hooliganismus handelte, gab es beim Umgang mit Nonkonformität wie so häufig leider nur ein Vorgehen: Repression.

Pyrotechnik verschwand in diesen Jahren mehrheitlich aus den Stadien. Der ungezügelte und von Vermarktungserlösen getriebene Medienrummel rund um den Fußball und das brachiale Vorgehen von Polizei und Verbänden mit dem Ziel, eine “saubere” Weltmeisterschaft 2006 auszurichten, bei der die wilden Kurven doch so gar nicht zum Fanmeilen-Publikum und zum neu entdeckten Party-Nationalismus passen wollten, zeigte Wirkung. Im Laufe der Jahre veränderten diese Umstände die öffentliche Wahrnehmung. Was früher sehr positiv aufgenommen wurde, stieß nun auch am Millerntor auf immer mehr Ablehnung, wurde in Einzelfällen absurderweise gar mit “Nazis raus!” kommentiert – übrigens ohne, dass deswegen wiederum andere pfiffen.

Durch die gestiegene Vernetzung und Selbstreflektion deutscher Ultras veränderte sich in den letzten Jahren auch die Einstellung innerhalb der Szene zu Pyrotechnik. Initiativen wurden gegründet und verbuchten deutliche Erfolge, vielerorts wurde die Diskussion um das Feuerwerk in den Kurven wieder aufgenommen, die Gruppen wurden stärker und mutiger, insgesamt waren immer weniger Leute bereit, sich übertriebene Hysterie und Bevormundung gefallen zu lassen. Sogar erste Gespräche mit Vereinen und Verbänden verliefen erfreulich. Heute vergeht kein Spieltag, ohne dass Fangruppen beweisen, was für eine Bereicherung dieses Instrument für das Kurven- und Fußballerlebnis sein kann. Diverse Spieler und Funktionäre finden differenziertere Worte und plädierten für einen anderen Umgang mit der vielmals gescholtenen Zündelei.

Der DFB und einige Medien ziehen Ihre Linie jedoch weiter stoisch durch und der Verband drangsaliert seine Vereine mit absurden Strafen. Selbst bei kreativem und völlig friedlichem Einsatz heißt es schnell, „die hässliche Fratze des Fußballs“ zeige sich und ebenso schnell bekommt der jeweilige Verein Strafen für seine “sogennanten Fans” aufgebrummt. In den Medien findet nur eine Seite Gehör. Dieses führt in der Wahrnehmung vieler Fans leider zu einer Ablehnung von Pyrotechnik – „sieht super aus und schadet keinem, aber ist ja verboten und kostet uns Strafen.“ Hier möchten wir ansetzen in unserer Diskussion, denn wir können und wollen uns dieser Argumentation nicht mehr anschließen. Es ist schlicht nicht zu akzeptieren, dass sich die Fußballbonzen in Frankfurt die Definitionsmacht darüber anmaßen, wie eine Fankurve auszusehen hat, was zu unserer Kultur gehören darf und was nicht.

Stricken wir die Denke des DFB einmal weiter, dann können wir sie auf andere Teile der Fankultur ausweiten und plötzlich sind Fahnestangen dauerhaft verboten, bestimmte Transparente, unpassende Gesänge oder gar Auswärtsfahrten. Dafür gibt es dann bei “Regelverstößen” Strafen, die Vereine schütteln sich ob der großen Kosten und irgendwann wird über Fahnen argumentiert, sie sähen zwar wunderschön aus, seien aber wegen Vorfällen in der Vergangenheit nun mal verboten und ziehen empfindliche Strafen nach sich. Undenkbar? Mit den Fackeln nahm es mal einen ähnlichen Verlauf und wir möchten diesen gerne unterbrechen. Der Sicherheits-, Kontroll- und Regulierungswahnsinn ist immens, und er droht vieles von dem kaputt zu machen, was den Fußball und seine Kultur ausmacht.

Die Diskussion wird facettenreich und schwierig sein, denn das Thema ist komplex und entwickelt schnell eine enorme Dynamik. Wir wollen zeigen, dass Pyrotechnik sicher und bereichernd sein kann – als weiteres Stilmittel in den Kurven. Der rauchende Joint beim Spiel gegen Frankfurt, jetzt die mysteriöse Voodooküche gegen Köln und der Gruß an Walter Frosch, bunte Lichter und Farbtupfer, die ihren Teil dazu beitragen, aus schnöden Betonstufen etwas Erlebenswertes und Fantastisches zu machen – unser Fankultur. Sie sind Wegweiser, wohin es führen könnte.

Wir erhoffen uns eine Diskussion mit Fans, Spielern und Vereinsoffiziellen, sogar mit Teilen der Medien. Wir möchten, dass Pyrotechnik nicht weiter geächtet, sondern als normaler Teil der Fankultur angesehen wird. Wir wollen über Gefahren und Möglichkeiten sprechen und auch einen weiteren Schritt in Richtung kreativer, bunter aber auch wilder Kurven machen. Denn eins steht fest, so lange es Fans gibt, wird es auch Pyrotechnik geben.

Keinen Schritt zurück!

Ultrà Sankt Pauli

2. April 2010 00:15

Stellungnahme zu den Geschehnissen rund um das Spiel gegen Hansa Rostock

Geschrieben von Gazzetta in Infos, Kommuniqué, Südkurve

In den vergangenen Wochen haben die Diskussionen um die Begleitumstände des Spiels gegen Hansa Rostock den Verein und sein Umfeld in Atem gehalten. Besonders das Verhalten des Präsidiums unseres Vereins stand dabei in der Kritik nahezu aller Fanorganisationen. Für eine genauere Darstellung der Geschehnisse und unserer Bewertung verweisen wir auf die Stellungnahme, die wir im Vorfeld des Spiels veröffentlicht und in der wir unsere Herangehensweise ausführlich erklärt haben. Als sich abzeichnete, dass das Präsidium in keiner Weise bereit war, auf die Argumente der Fanvertreter einzugehen, haben wir gemeinsam mit allen anderen Gruppen des Ständigen Fanausschusses diskutiert, wie dieser Situation zu begegnen ist. Dabei wurden sowohl im Rahmen des Fanausschusses als auch innerhalb der einzelnen Gruppen unterschiedliche, in Ausrichtung und Radikalität verschiedene Konzepte diskutiert. Wir bedauern außerordentlich, dass es aufgrund der ablehnenden Haltung des Präsidiums überhaupt zu solchen Überlegungen kommen musste und jeder Weg verbaut wurde, zumindest innerhalb unseres Vereins gegen den Irrsinn zusammenzustehen, dem wir uns gegenübersehen.

Wir waren mit vielen anderen Gruppen und Einzelpersonen auf der Suche nach einer friedlichen und symbolischen Protestform, die ein maximales Ausmaß an medialer und fanszeneninterner Aufmerksamkeit erzeugt. Gleichzeitig jedoch sollte der eigentliche Spielbetrieb in diesem wichtigen Spiel nicht beeinträchtigt oder gefährdet werden. Alle waren sich in der Bewertung einig, dass es sich bei der aktuellen Entwicklung um einen fundamentalen Angriff auf Fußballfans handelt. Die parallelen Entwicklungen und Fanverbote in anderen Städten haben das in erschreckender Art und Weise bestätigt. Ein leerer Gästeblock ohne Fans war schon Fakt. Die leere Südkurve hat ergänzend dazu überspitzt dargestellt, wie viel dem Fußball ohne Fans fehlen würde. Es war eine symbolische Aktion mit der Aussage „So sieht euer Fußball aus“. Eine symbolische Aktion, die das Aussperren von Fans thematisieren und skandalisieren, und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die aktuelle und nach wie vor wichtige Auseinandersetzung lenken sollte.

Ein Absperren einzelner, kleiner Teilbereiche kann dabei als Protestaktion nur Sinn machen, um gegen konkrete Entwicklungen zu protestieren, die einzelne Gruppen betreffen. Aktuell sind jedoch nicht einzelne Fansegmente, sondern ganze Fanszenen betroffen und es werden komplette Auswärtsblöcke und Heimkurven geschlossen. Die Tragweite dieses Themas konnte unserer Meinung nach im Rahmen einer „Freilass-Aktion“ nur durch komplett freie Stehtraversen angemessen und sinnvoll veranschaulicht werden. Wenn das Zeichen seine Wirkung auch in den Medien entfalten sollte, dann konnte dies nur durch eine zu Anpfiff leere Stehplatzkurve geschehen. Wir haben im Vorfeld die organisierten und aktiven Gruppen der Südkurve um ihre Einschätzung gebeten. Ausgehend von all diesen Überlegungen haben etliche Fans aus verschiedenen Gruppen nach Öffnung der Stadiontore die Aufgänge zu den Traversen blockiert. Im Folgenden möchten wir die offensichtlichen kritischen Elemente an diesem Vorhaben aufgreifen und uns mit unseren Fehlern und Fehleinschätzungen auseinandersetzen.

Das größte Problem ist und bleibt, dass es unglaublich problematisch ist, Solidarität oder Zustimmung von anderen Menschen de facto abzupressen, indem man sie, wie in diesem Fall geschehen, nicht in die Kurve lässt. Wir haben den Eindruck, dass ein Großteil der Fans von den Südkurven-Stehplätzen dem Protest auch in dieser Form aufgeschlossen gegenüberstand, ein weiterer Teil sich zumindest schnell damit abgefunden hatte und ein durchaus überschaubarer Teil mit großer Ablehnung reagierte. Wir wollen uns jedoch gar nicht darauf einlassen, dies näher zu beziffern, denn das schwerwiegende Grundproblem der quasi „aufgezwungenen“ Zustimmung bleibt – auch wenn es nur eine einzige Person gewesen wäre, die durch wollte. Das wussten wir vorher und das haben wir mit Bauchschmerzen zu Gunsten eines starken Zeichens und einem Spielverzicht von nur fünf Minuten akzeptiert. Vor jedem Aufgang waren Fans unterwegs, um andere Fans über die Hintergründe aufzuklären und zu diskutieren, im Umlauf der Südkurve wurden erklärende Banner aufgehängt und alle bekamen ein entsprechendes Flugblatt.

Über mögliche Probleme und Gefahren der Blockade ist im Vorfeld viel diskutiert worden. Immer fest stand, im Falle der kleinsten Anzeichen einer Panik oder einer für Fans gefährlichen Situation die Blockade sofort aufzulösen und die Eingänge freizugeben. Keine symbolische Protestaktion ist es wert, die Gesundheit anderer Fans dafür zu gefährden. Es gab an beiden Enden der Kurve, sowohl auf den Entrauchungsflächen als auch auf den Zugangstreppen, genug Platz, sich der Situation zu entziehen. Dies wird von mehreren Beobachtern, unter anderem dem Fanladen, bestätigt. Wir nehmen die Verantwortung für die von uns geschaffene Situation an und wollen uns nicht hinter einfachen Lösungen oder dem Abwälzen von Problemen auf andere verstecken. Es haben sich viele der Organisatoren explizit um Probleme anderer Fans gekümmert, Menschen mit Einschränkungen, sich offensichtlich unwohl fühlende Personen oder Kinder nach vorne, auf die Treppen oder auf die Tribüne geholt sowie Fans in Bereiche begleitet, die weniger überlaufen waren. Falls es trotz dieser Bemühungen zu anderen Erfahrungen gekommen sein sollte, die nicht auf die generelle Enge, sondern auf die Blockade zurückzuführen sind, entschuldigen wir uns dafür.

Feststellen möchten wir, dass es nach unserem Kenntnisstand während der gesamten Aktion zu keinen Aggressionen oder gar Gewalt der Blockierer kam, die über den einer Blockade innewohnenden passiven Einsatz des eigenen Körpers hinausgehen. So richteten sich auch alle Einsätze des Ordnungsdienstes im Bereich der Aufgänge ausschließlich gegen einzelne Gegner des Protestes, die offensichtlich nur auf Provokationen und eine absolute Eskalation der Situation aus waren und die dabei andere Fans verbal wie körperlich angingen, sie anspuckten oder mit Gegenständen angriffen. Erst im äußersten Fall von persönlichen und körperlichen Angriffen wurde sich gewehrt.

Es war desweiteren nicht Teil des Plans, die Aufgänge zu den Sitzplätze der Südtribüne zu blockieren. Diese Fans waren für die Optik und Aussage einer leeren Stehplatzkurve egal und wir wollten so wenig Menschen einschränken wie möglich. Es wurde allerdings in Kauf genommen, dass sie zu vorgerückter Stunde wegen der vielen Menschen an den Aufgängen nur schwer zu ihren Plätzen gelangen konnten. An dieser Stelle kam es zu unterschiedlichen Auslegungen der Blockade, so dass an zwei Aufgängen zeitweise auch die Aufgänge zu den Sitzplätzen blockiert worden sind. Dies war so nicht beabsichtigt.

Das Ziel, mit der Blockade die größtmögliche Aufmerksamkeit zu erreichen ist zweifelsohne erreicht worden. Leider fokussierte sich die Aufmerksamkeit schnell ausschließlich auf die Auseinandersetzungen unter den Fans und nicht auf das Thema, das eigentlich vermittelt werden sollte. In dieser Hinsicht ist das Vorhaben, mit der Blockade einen starken öffentlichen Kontrastpunkt zu setzen, in letzter Konsequenz gescheitert und wir würden es in einem ähnlich gelagerten Fall nicht mehr in dieser Form einsetzen. Wir sind dennoch der Meinung, dass das Mittel der Blockade im Grunde geeignet ist, ein passendes Zeichen zu setzen und dass man von Sankt Pauli-Fans in einer relativ kleinen Fankurve erwarten darf, eine getroffene Entscheidung der aktivsten und prägendsten Gruppen zu akzeptieren und den persönlichen Willen bei einem so geringen Einsatz wie am Sonntag gefordert der Solidarität mit anderen Fans unterzuordnen. Vor allem bedauerlich ist, dass offensichtlich bei weitem nicht allen vermittelt werden konnte, worum es überhaupt geht. Hier müssen wir uns Mängel in der Kommunikation und Entwicklung der Aktion vorwerfen lassen. Am Ende standen teilweise Fans gegen Fans wutentbrannt vor einander. Skurril und in der Außenwirkung fatal, denn die anderen Fans sind in ihrer großen Mehrheit nicht unsere Gegner, sondern unsere Mitstreiter als Fans des FC St. Pauli. In einer emotionaler werdenden Situation, in der einige wenige Gegner des Protests alles getan haben um eine Eskalation herbeizuführen, war dann sicher auch das Auftreten einiger Blockierer unglücklich und nicht deeskalierend, die sich in ihrer Verbalität vergriffen und sich aus Schutz vor Kameras vereinzelt mit Schals vor dem Gesicht schützten. Mangelnde demokratische Legitimierung für die Blockade (nur die aktiven und organisierten Gruppen) gepaart mit einer Fehleinschätzung des Solidaritätsgefühls in der Fankurve haben nun dazu geführt, dass aktuell trotz eines letztlich in seiner Außenwirkung geglückten Vorhabens nicht über das Thema als solches gesprochen wird. Das kritisiert uns und das Ziel wurde diesbezüglich verfehlt.

Wir sind nicht der Meinung, dass am letzten Wochenende Gräben unter den Fans aufgerissen worden sind – sie sind nur ein weiteres Mal offensichtlich geworden. Aus den Geschehnissen vor Ort, der anschließenden Diskussion und dem Verhalten einer verhältnismäßig kleinen aber radikalen Minderheit schließen wir, dass es einigen Besuchern der Südtribüne in keiner Weise um inhaltliche Bedenken oder letztlich die im Raum stehenden fünf Minuten ging, sondern um eine Generalabrechnung mit USP. Es entstand eine Situation, in der sie ihrer generellen Unzufriedenheit mit den Leuten, von denen sie sich sowieso schon aus was für Gründen auch immer bevormundet fühlen, konkreten Ausdruck verleihen konnten. Das ist ihr gutes Recht und wurde von uns auch so erwartet. Erschrocken sind wir über die Art und Weise der Unmutsäußerungen. Vielleicht ist St. Pauli in dieser Hinsicht wirklich der einzigartige Verein, in dem Fans andere innerhalb von zwanzig Sekunden sowohl als „schwuler Neger“ und „Nazi“ bezeichnen. Die auch in ihrer Anzahl extremen rassistischen, sexistischen und schwulenfeindlichen Ausfälle sollten jedoch genauso wie der Umstand, dass niemand der Umstehenden eingriff, besser an anderer Stelle weiter thematisiert werden. Auch mit Leuten, die während eines Disputs innerhalb der eigenen Kurve ihr iPhone zücken und die Polizei anrufen, verbindet uns wenig.

Es liegt nun an uns, die Herzen der Menschen zurückzugewinnen, die uns neutral bis freundlich gegenüber standen, und die durch die Blockade verschreckt worden sind. Vor allem liegt es an uns, deutlich zu machen, dass wir uns nicht als „bessere“ Fans verstehen. Dies ist uns offensichtlich bisher nicht richtig gelungen und darauf führen wir einen Teil der jüngsten Entwicklung zurück. Zwar wundern wir uns, mit welcher Selbstverständlichkeit uns in steter Regelmäßigkeit das Fandasein abgesprochen wird, während auf der anderen Seite jede Kritik von uns an anderen Fans zum Selbstverständnis eines „Elitefans“ hochstilisiert wird. Doch auch wenn uns mit einem Teil der Zuschauer im Stadion außer dem Verein, den wir lieben, nichts verbindet, wollen wir unsere sicher gemachten Fehler der Vergangenheit nicht mit denen der anderen aufrechnen, sondern versuchen, auch in Zukunft an ihnen zu arbeiten und Gräben zu schließen, wo wir es für möglich halten. Es tut uns daher sehr leid, wenn andere St. Paulianer beschimpft, schlecht behandelt oder als „Modefan“ abqualifiziert worden sind, denn auch wenn es neben dem „monotonen Gesang“ das gängigste Klischee über die Ultras bei Sankt Pauli ist: Wir haben kein Interesse an einer Diskussion um bessere oder schlechtere Fans am Millerntor. Im Gegenteil haben wir großen Respekt vor so vielen alten Recken, unabhängig davon, wie laut sie singen oder ob sie USP gut oder schlecht finden. Sankt Pauli lebt durch seine Fans, die wir nach ihrer Einstellung beurteilen und nicht dadurch, wo sie im Stadion stehen oder sitzen oder ob sie Leitungswasser, Bier oder Krabbencocktails schlürfen. Wir diskutieren, bilden Meinungen, loben, kritisieren, agitieren – wie alle anderen Fans auch,

Wir bedanken uns für die Solidarität vieler Menschen und Gruppen und auch für die vielen konstruktiven Anmerkungen. Wir haben neben viel Kritik in den letzten Tagen auch sehr viel Zuspruch erfahren und sehen zumindest einen Teil der Fanszene durch die Auseinandersetzungen der letzten Wochen näher zusammengerückt.

Wir bedauern zutiefst und haben bereits im Vorfeld bedauert, dass der gute Umgang mit dem Verein und die in der jüngeren Vergangenheit immer besser gewordene Beziehung zum Präsidium und vor allem zum Präsidenten unter dieser Aktion leiden wird. Der Aktionismus war für uns der einzig verbleibende Weg nach einer ernüchternden Entwicklung von gescheiterter Kommunikation. Trotz aller Enttäuschung über das Verhalten des Präsidiums in den letzten drei Wochen sehen wir keine Alternative dazu, sich innerhalb des Vereins wieder zusammenzuraufen. Der ständige Austausch nützt allen, ein Abbruch würde allen Beteiligten schaden. Der Verein wird nun den Maßstab setzen, wie die nahe Zukunft aussieht.

Wir wussten vorher, dass das Präsidium und die verantwortlichen Vereinsmitarbeiter reagieren müssen und dass wir Privilegien aufs Spiel setzen. Ein Bruch zwischen den Fangruppen und dem Präsidium liegt weiterhin nicht in unserem Interesse. Wir werden jedoch auf eventuelle Maßnahmen, die das Präsidium treffen wird, angemessen reagieren – dies unserem Anspruch folgend so lange es geht in der internen Auseinandersetzung. Wir haben nicht das Verlangen, Konflikte bis zum Äußersten zu treiben, nur um zu zeigen, wie weit die Spirale gedreht werden kann. Wie sich zeigt, lassen sich offene Konflikte vielleicht bei einigen Themen nicht vermeiden, sollten aber in der braun-weißen Welt die letzte Wahl sein.

Ultrà Sankt Pauli im April 2010

Andere Stellungnahmen und Texte:
Fanladen
Fanclubsprecherrat
Rhoihessefront
Sankt Pauli Mafia NRW
Übersteiger I
Übersteiger II
Pathos‘ Blutgrätsche
fussballvonlinks.blogsport.de
Drugados
G.A.S. Sankt Pauli
Wolperdinger Sankt Pauli

22. August 2009 19:14

Übersteiger meets Südkurve

Geschrieben von Gazzetta in Gazzetta, Kommuniqué

Aufgrund der widerlichen und geschmacklosen Berichterstattung seitens der Hamburger Medien über die Vorfälle von Aachen brachten der Übersteiger und wir heute zum Spiel gegen Duisburg einen gemeinsam gestalteten Flyer heraus.

Den Text findet ihr hier auf dem Blog des Übersteigers.

Mit unserem Leid macht ihr Auflage... Ihr widerlichen Schweine!
Foto: Cajarore

Falls ihr Mini sowie seine Angehörigen finanziell unterstützen möchtet, könnt ihr dies auf einem Konto des Fanladens gerne tun.

Die Kontodaten findet ihr im St.Pauli Forum.

20. August 2009 01:21

Zu den tragischen Geschehnissen in Aachen

Geschrieben von Gazzetta in Kommuniqué

Montagabend, Aachen auswärts, Sankt Pauli siegt 5:0.
Nach Feiern ist jedoch keiner/m von uns zu Mute.
Viel zu sehr überwiegen immer noch der Schock und die Trauer über den Sturz eines Sankt Paulianers über die Brüstung des Gästeblocks.
Informationen bezüglich seines gesundheitlichen Zustands sind widersprüchlich, sicher ist lediglich, dass er sich derzeit noch im künstlichen Koma befindet.

Aus diesem Grund wollen wir ihm an dieser Stelle die allerbesten Genesungswünsche übermitteln.
Wir sind in Gedanken bei ihm und hoffen, dass er schnell wieder gesund wird und seinen Platz in der Kurve einnehmen kann.
Auch den Angehörigen wünschen wir viel Kraft und bieten ihnen unsererseits jede Form der Unterstützung an.

Ultrà Sankt Pauli, August 2009