Archiv des Antirazzista- Bereichs

20. März 2013 15:07

Infoveranstaltung „break the silence“ am 26.03.

Geschrieben von Ultrà Sankt Pauli in Antirazzista, Veranstaltungen

Vor über acht Jahren, am 7.1.2005, verbrannte der Asylbewerber Oury Jalloh in einer Gewahrsamzelle der Polizeiwache in Dessau / Sachsen-Anhalt.
Bis heute ist ungeklärt, warum der damals 21-Jährige aus Sierra Leone, der sich in einem gesundheitlich desolaten Zustand befand, zur Identitätsfeststellung inhaftiert wurde, wie es zu dem Brand in der Zelle kam und was in dieser Zelle wirklich geschah: Oury Jalloh war bei seinem Tod an Händen und Füßen gefesselt. Auch wurde erst zwei Tage nach dem Brand ein nahezu unbeschädigtes Feuerzeug gefunden, welches bei der Leibesvisitation nach seiner Ingewahrsamnahme nicht aufgefallen war. Viele Indizien sprechen dafür, dass Oury Jalloh Opfer rassistischer Polizeigewalt wurde, so verschwanden die Videoaufzeichnungen der Zelle und die beteiligten Polizisten verwickelten sich immer wieder in Widersprüche. More

23. Februar 2013 09:25

„Residenzpflicht“-Film und Kalender

Geschrieben von Ultrà Sankt Pauli in Antirazzista, Veranstaltungen

Am Dienstag (26.02.) setzen wir unsere lose Filmreihe (die letzte Vorführung gab es vor ca. 2 Jahren…) im Fanladen fort und zeigen die Dokumentation Residenzpflicht (2012, 68 Min.).
„Seit 20 Jahren kämpfen Flüchtlinge gegen die Residenzpflicht und damit gegen die systematische Ausgrenzungspoltik des deutschen Staates. Residenzpflicht begleitet einige Flüchtlinge bei dieser Auseinandersetzung und ist somit eine Analyse aus Sicht der Flüchtlinge, die gezwungen sind, in einer fast hermetisch abgeschlossen Welt zu leben. Die Dokumentation stellt die Residenzpflicht in einen größeren Kontext: Sie zeigt wie diese Restriktion im Inneren mit der Abschottungspolitik an den europäischen Außengrenzen zusammen hängt und inwiefern die Reglementierung der Bewegungsfreiheit mit kolonialem Erbe und Alltagsrassismus verwoben ist. Der Dokumentarfilm soll dazu beitragen, in der deutschen Öffentlichkeit ein Bewusstsein über diesen Teil der deutschen Asyl- und Flüchtlingspolitik zu schaffen und eine Debatte darüber in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung zu initiieren.“
Filmbeginn um 19:30 Uhr – nach dem Film freuen wir uns Gespräche und Diskussionen mit euch.

USP Antirazzista
Trailer und weitere Infos zum Film: residenzpflichtdoc.com

Diesen und viele weitere Termine rund um die braun-weisse Fanszene findet ihr in Zukunft im Kalender des Basch-Blogs. Falls ihr also Veranstaltungen und anderes habt, die dort, in der „Basch“ oder auf der „Südkurve“ beworben werden sollen, schreibt uns!

4. Juni 2012 12:58

7. Juni, 19h @ centro sociale: Migrationsregime, Illegalisierung und die nackte Arbeitskraft

Geschrieben von Antirazzista in Antirazzista

Ein Vortrag der rotten system! rotten world? – Reihe in Zusammenarbeit mit USP Antirazzista.

Von Anfang an war Migration eine der wichtigsten Bedingungen und Herausforderungen des Kapitalismus. Nur durch die Mobilisierung von Menschen kann den Produktionsorten die notwendige Arbeitskraft zugeführt, nur durch Immobilisierung können Menschen in Ausbeutungsverhältnissen festgehalten werden. Ohne migrierende Arbeiter_innen keine Ausbeutung, ohne Ausbeutung kein Mehrwert, ohne Mehrwert kein Kapitalismus. Gleichzeitig ist die Mobilität der Menschen aber auch angetrieben von dem Wunsch, unerträglichen Verhältnissen zu entkommen und der Hoffnung, einen Ort zu finden, an dem ein anderes oder gar ein gutes Leben möglich sein könnte.

Die globale Ordnung der Nationalstaaten steht diesem Begehren der Migration entgegen. Durch die Nationform werden Subjekte ausschließlich einem Volk und einem Herrschaftsgebiet – „ihrer Heimat“ – zugeschrieben. Die legalen Möglichkeiten zur „Einwanderung“ werden demzufolge von den Gesetzen des jeweiligen Nationalstaates abhängig gemacht. Neben der rassistischen Paranoia ist die Verwertbarkeit für das nationale Kapital dabei die entscheidende Bedingung. Die lokalen, nationalen und supranationalen Grenzen bilden Migrationsregime, durch die die Bevölkerungen für die Kapitalverwertung am jeweiligen Standort produktiv gemacht werden sollen.

Das postkoloniale Verhältnis zwischen Europa und den Regionen des globalen Südens zeigt sich in einer weiterhin ungleichen Arbeitsteilung sowie dem verfestigten Wohlstandgefälle. Durch den sich zuspitzenden Widerspruch des Kapitals – „daß es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren sucht, während es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt“ (Marx) – werden zudem immer mehr Menschen als Arbeitskräfte überflüssig. Es entstehen „Risikopopulationen“ und ganze Regionen, die nicht mehr friedlich in das globalisierte Kapitalverhältnis integriert werden, diesem aber auch nicht entkommen können. Ein globalisiertes Migrationsregime zielt folglich darauf ab, bestimmte Bevölkerungen innerhalb nationaler Grenzen zu immobilisieren – die herrschende „Entwicklungspolitik“ trägt ihren Teil dazu bei.

Doch Migration lässt sich nicht so einfach steuern. Zwar werden die Grenzen der unionseuropäischen Staaten immer weiter militärisch-technologisch aufgerüstet, wodurch jährlich Tausende beim Versuch in die EU zu kommen getötet werden und unzählige die Reise nicht unbeschadet überstehen. Dennoch gelingt es einigen, trotz der proklamierten Abschottung nach Europa zu kommen. Gerade dieses „Scheitern“ der Politik macht die Migration aber für die europäisch-nationalen Volkswirtschaften produktiv: Durch diverse Formen der Entrechtung sowie das allgegenwärtige Risiko einer Abschiebung können diejenigen, die als Migrant_innen angerufen werden, besonders intensiv ausgebeutet werden. Sie müssen schlecht bezahlte und prekäre Jobs im Dienstleistungs-, Agrar- und Bausektor annehmen und im Falle der Arbeitslosigkeit oft in ein Herkunftsland zurückkehren, um ihre Lebenskosten aufzuwenden.

Im Verlauf der globalen Krise des Kapitalismus verändern sich auch die Verhältnisse der Kontrolle und Ausbeutung migrantischer Arbeitskraft. Parallel zu der Krise des Euro ist es zu einer Krise der unionseuropäischen Migrationspolitik gekommen, die sich etwa im Streit um die griechische Flüchtlingspolitik oder die Wiedereinführung von Grenzkontrollen im Schengenraum zeigt. Dabei ist eine zentrale Frage zur Diskussion, wie die systemische Krise der kapitalistischen Produktionsweise mit der Transformation von Migrationsregimen zusammenhängt.

19. Januar 2012 14:24

Redebeitrag von der Kundgebung im Lager Horst-Nostorf

Geschrieben von Antirazzista in Antirazzista

Hier der Redebeitrag von USP Antirazzista, der auf der Kundgebung am 14. Januar vor dem Flüchtlingslager in Horst-Nostorf verlesen wurde.

Hallo liebe Leute.

Auch einige Menschen aus der Fanszene des FC St. Pauli, sind heute hier um konkret Hilfe zu leisten und um die menschenverachtenden Bedingungen in diesem Lager zu skandalisieren. Da dies alleine leider am Grundproblem nichts ändert, möchten wir nun kurz auf die sozialen, ökonomischen und gesellschaftlichen Ursachen eingehen, die jeden Tag millionenfach Ausgrenzung, Gewalt, Zerstörung, Armut, Hunger und Tod hervorbringen. Hierbei fällt zwangsläufig der Blick auf den globalen Kapitalismus. Denn im Kapitalismus geht es eben nicht darum, Dinge für ein gutes Leben zu produzieren, sondern hauptsächlich darum, aus Geld mehr Geld zu machen. Diese beknackte Logik findet in vielfältigsten Formen der Konkurrenz ihren Ausdruck und verursacht viele Verlierer_innen und wenige Gewinner_innen. More

8. Januar 2012 12:14

Kundgebung am 14.01., 12 Uhr vor dem Flüchtlingslager Horst

Geschrieben von Antirazzista in Antirazzista

Flyer Kundgebung 14.01 Flüchtlingslager Horst

Seit 2006 nutzt Hamburg das Lager Nostorf/Horst in MV als Erstaufnahmeeinrichtung für die in Hamburg ankommenden Flüchtlinge. Der Vertrag zwischen HH und MV wurde zwar zum September 2012 gekündigt, aber erneute Verhandlungen von Seiten des SPD Senats zur Weiterführen sind im Gespräch. Das fällt noch hinter die rigide Flüchtlingspolitik des schwarzgrünen Vorgängersenats zurück und ist ein Skandal.

Das Lager bedeutet für alle eine völlige Isolation. Am Wochenende fährt zwischen dem Lager und Boizenburg oder Lauenburg kein Bus.Kontakt zu RechtsanwältInnen oder Beratungsstellen werden durch die Abgeschiedenheit sehr erschwert oder unmöglich gemacht. Die psychischen Probleme durch die traumatischen Erlebnisse der Flüchtlinge werden durch das Lagerleben verstärkt. Die spärliche medizinische Versorgung im Lager bietet keine ausreichende Hilfe. Die Kinder der Familien können nicht zur Schule gehen. Die für Hamburg geltende Schulpflicht wird ignoriert.

Einige der Flüchtlinge müssen bis zu 15 Monaten im Lager ausharren, oder solange bis sie abgeschoben werden. Das Lagerleben macht krank. Wir wollen die Menschen nicht alleine lassen!!

Isolation durchbrechen – Lager abschaffen

Treffpunkt für die gemeinsame Anreise aus Hamburg für Bahn und Auto: 9:30 S Sternschanze. Einfachste Anreise ist mit dem Auto.

12. Dezember 2011 12:01

Kleiderspende für Flüchtlingslager

Geschrieben von Antirazzista in Antirazzista

Wenn es einem Menschen am Nötigsten fehlt, die nächste Stadt weit ist, der Bus, für den das Geld kaum reicht, nicht am Wochenende fährt, und die Nationalität deine (Bewegungs)-Freiheit aufs unmenschlichste einschränkt, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich dieser Mensch in einem Flüchtlingslager befindet.

Dieser Alltag führte in der Vergangenheit immer wieder zu Protesten und Aufständen in diversen Lagern, so auch durch einen Hungerstreik vor gut einem Jahr im Lager Horst Nostorf, eine Autostunde vom Millerntor entfernt. Mittlerweile ist Aufschrei längst verhallt – geändert hat sich: nichts. Grund genug also, die Kämpfe gegen Lager und Alltag auch
vor Ort zu unterstützen und ein Zeichen gegen die katastrophalen Zustände in diesem Scheißland zu setzen.

Deshalb werden wir am 14. Januar um 12 Uhr eine Kundgebung vor dem Lager in Horst/Nostorf veranstalten und, weil direkte Solidarität am Nötigsten ist, auch Kleiderspenden unter die Menschen bringen. Selbst an warmer Kleidung mangelt es und deshalb rufen wir die Fanszene des FC Sankt Pauli dazu auf, gut erhaltene Klamotten (bevorzugt wintertauglich) im Fanladen eures Vertrauens abzugeben und am besten direkt die Kundgebung zu besuchen. Weitere Informationen zur Kundgebung in Kürze über die üblichen Kanäle.

16. September 2011 15:15

Erinnerung an die rassistischen Pogrome in Hoyerswerda vor 20 Jahren

Geschrieben von Antirazzista in Antirazzista

20 Jahre ist es jetzt her, dass in Hoyerswerda, einer Stadt im Osten von Sachsen, Steine und Brandflaschen in die Wohnheime von Asylbewerber_innen und Vertragsarbeiter_innen (sog. Gastarbeiter_innen) flogen und viele Bürger_innen daneben standen und Beifall klatschten. Tagelang belagerte der deutsche Mob die Wohnheime, skandierte rassistische Parolen und terrorisierte die Bewohner_innen. Die Polizei sah sich nicht in der Lage, eines der ersten rassistischen Pogrome nach 1945 zu beenden. Schließlich wurden die Bewohner_innen mit Bussen aus der Stadt evakuiert. Die Sicherheit, der in Hoyerswerda lebenden Menschen mit Migrationshintergrund, war nicht mehr gewährleistet. Diejenigen, die versuchten sich gegen die Angriffe zu stellen, fanden kein Gehör, zwei größere antifaschistische Demonstrationen wurden massiver Polizeirepression ausgesetzt. Dieses rassistische Pogrom war nur eines von vielen weiteren die darauf folgten z.B: in Rostock-Lichtenhagen, Solingen, Mannheim-Schönau oder Mölln.

Tiefsitzender Rassismus und deutsches Nationalgefühl gepaart mit dem neuen Selbstbewusstsein der wiedervereinigten Nation ermöglichten diese. Der staatliche Rassismus mit seiner Abschiebepolitik, das System von rassistischen Sondergesetzen und das restriktives Staatsbürger_innenschaftsrecht zeigen, dass es auch heute noch einen verbreiteten rassistischen Grundkonsens in der Gesellschaft gibt. Gestützt wird dieser u.a. durch die staatliche Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund. Einige Umstände haben sich heute verändert, der Nationalismus als Ideologie ist jedoch geblieben und erfährt u.a. in Deutschlandfahnen schwenkenden Fußballfans seine Entsprechung. In Hoyerswerda wurde nach dem Pogrom lieber geschwiegen, bis heute gab es keine nennenswerte Auseinandersetzung und daraus resultierende Aufarbeitung .Aktive Neonazistrukturen und Übergriffe gegenüber Antifaschist_innen werden in der öffentlichen Wahrnehmung nicht verhandelt.

Anlässlich des 20. Jahrestages des Pogroms gibt es am 17.September um 14 Uhr in Hoyerswerda einen antifaschistischen Stadtspaziergang!