Selbstverständnis
Im Sommer 2009 eine Selbstdarstellung über Ultrà Sankt Pauli zu schreiben ist schwierig. Zu weit gehen einfach die Meinungen und Gedanken über den derzeitigen Zustand und die Prioritäten in der Gruppe auseinander. Aber genau das ist es auch, was den großen Kessel Ultrà Sankt Pauli seit vielen Jahren so interessant und irgendwie auch einzigartig gemacht hat.
An dem großen Kessel steht ein Team von Köchen und gibt sich Mühe, die richtigen Zutaten zu finden, um damit alle unsere Geschmäcker zufrieden zu stellen. Als Grundzutat natürlich die Liebe zum FC Sankt Pauli und seiner einzigartigen und schützenswerten Fanszene, die uns alle vereint und zusammengebracht hat.
Und nun kommen schon die unterschiedlichen Köche ins Spiel: Es beginnt ein wilder Mix aus internationaler Küche mit vielen Einflüssen.
Kreativität ist bei uns unabdingbar, genau in dem Moment wo wir das gleiche Gericht wie am Vortag gekocht haben, können wir auch aufhören- so begehen wir ständig neue Pfade und mixen Altes mit neuen Geschmäckern. Die eine Köchin möchte noch ein wenig mehr Politik im Kessel, deshalb ist Antirassismus (zum Beispiel im Flüchtlingsprojekt- der Mitnahme von Flüchtlingen zu regelmäßigen Stadionbesuchen) und das Engagement gegen die Unterdrückung jeglicher Minderheiten aus dem Menü von Ultrà Sankt Pauli nicht wegzudenken.
Ein anderer Koch möchte vielmehr der italienischen Küche nacheifern und am liebsten so kochen, wie 1984 in der Cuisina Napolitana, ein anderer will eher seinen polnischen Eintopf kochen, obwohl er weiß, dass dieser so manchem nicht immer schmeckt. Wieder jemand würde am liebsten mit weniger Köchen kochen, da zu viele bekanntlich den Brei verderben, ein weiterer kocht nur mit Musik, der nächste muss den Einfluss unseres Viertels schmecken, noch eine kann nicht ohne ihr Bier am Grill, den anderen stört schon der Weißwein in der Soße…
So ist Ultrà Sankt Pauli eben mittlerweile kein kleines unbekanntes Gericht mehr, von wenigen Köchen in einem Hinterzimmer einer schmierigen Bar gekocht, immer mit dem Motto “learning by doing”- nein, heute schmeckt das Gericht auf dem gesamten Kontinent, aber die Zutaten verändern sich ständig, nie fade, immer mit Würze und Geschmack, immer neu, aber auch immer mit einem Auge immer auf die Wurzeln, die schmierige Bar in der alles begann.
Ultrà Sankt Pauli braucht immer Köche und zwar lieber solche, die auch mal einen Kochlöffel in die Hand nehmen, als nur neben dem Herd zu stehen und zu schnacken. Die Küchenbelegschaft freut sich immer über Leute, die das Lokal nicht verlassen, wenn ihnen das Gericht zu sauer vorkommt, sondern eher jene, die die Tür zur Küche aufstossen, um dem Gericht ihren eigenen Lieblingsgeschmack hinzuzufügen. Dann wird auch weiterhin auf Sankt Pauli kreative internationale Küche mit regionalem Bezug gezaubert und wir selber werden auch weiterhin das Salz in der Suppe sein!
Ultrà Sankt Pauli, August 2009


